Oktober 28, 2020

Berliner Erklärung

DFB und Bundesstiftung Magnus Hirschfeld nehmen Vereine und Verbände in die Pflicht
Ein Beitrag von QFF (Dirk Brüllau)

Der Druck auf Fußballvereine und -verbände, ein belastbares Konzept für die Akzeptanz gegenüber Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung vorzuweisen, wächst. Fast zeitgleich treten zwei mediale Schwergewichte an die Vereine heran: die Infobroschüre „Fußball und Homosexualität“ des DFB und die Kampagne „Fußball für Vielfalt“ der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.

So ähnlich die Ausrichtung ist, so unterschiedlich ist die Herangehensweise. Die Stiftung MH fokussiert den Bildungsauftrag und will zusammen mit der Uni Vechta Modelprojekte auf den Weg bringen. Gemeinsam sollen Lernmodule erarbeitet werden, die Vereinen und Verbänden zur Verfügung gestellt werden sollen.

Der DFB hat unter Leitung von Professor Pilz mit Fachleuten (u. a. wurden einige Verbesserungsvorschläge von QFF berücksichtigt) ein Arbeitspapier entwickelt, das für Vereine als Erste-Hilfe-Handbuch taugt, wenn sich einer ihrer Spieler outen will.

Beide müssen sich allerdings beweisen. Die Stiftung muss man zudem fragen, weshalb bei den Unterzeichnern der „Berliner Erklärung“ keine Fan- Organisationen dabei sind. Wurden sie vergessen? Queer Football Fanclubs und Fußballfans gegen Homophobie waren zumindest zur Präsentation eingeladen.

Die Vereine muss man fragen, weshalb von allen 38 angeschriebenen Profi- Clubs lediglich 6 bereit waren, diese Erklärung zu zeichnen.

Der DFB muss beweisen, dass er nicht nur den Ball den Vereinen zuspielt, sondern verstärkt im Dialog mit den Fan- Organisationen an einer bunten und toleranten Kurve arbeiten will.

Und wo sind eigentlich die Vermarkter der Profi- Ligen, die DFL? Sie besitzt im Fußball das, was man in der Politik Richtlinienkompetenz nennt. Bei der DFB- Broschüre ist ihr Fehlen nachvollziehbar, bei der „Berliner Erklärung ein Fehler.

Während Parteien, Mode- und Tourismusindustrie offiziell um schwul- lesbische Kunden werben, manifestiert die DFL das Bild der tumben Männerrunde, die sich beim Fußballschauen zotige Witze erzählt. Fußball und Homosexualität- darum sollen sich andere kümmern

Diese beiden ambitionierten Aktionen machen nicht alle glücklich. Die „Berliner Erklärung“ leider noch weniger als das sehr zurück genommene Info-Papier des DFB. Es wurde von der Bundesstiftung viel über Fans gesprochen, aber nicht oder zu wenig mit ihnen. So wird auch die Wahl des Medienpartners SportBILD in der aktiven Fanszene kritisch gesehen; sie fürchtet die an der Auflage orientierte, undifferenzierte Berichterstattung.

QFF begleitet beide Projekte aufmerksam und kritisch, ist aber immer zur Unterstützung bereit.